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Tempo 130 auf Autobahnen – Pro und Kontra der Geschwindigkeitsbegrenzung

Tempolimit ja oder nein? Was sind die möglichen Auswirkungen? Und kann dies wirklich helfen, die Zahl der Unfalltoten zu senken? Wir beschauen uns einmal beide Seiten und wägen das Für und Wider einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen ab. 

Es ist des Deutschen liebstes Kind. Die Geschwindigkeit. Kaum ein anderes Land auf der Welt bietet seinen Bürgern so viele Freiheiten im Autoverkehr und bei der eigenen Regulierung der Geschwindigkeit, wie Deutschland. Jedes Jahr kommen tausende Gäste aus aller Welt nur nach Deutschland, um das Gefühl zu erfahren, wie es ist, mit 220 km/h über eine deutsche Autobahn zu brettern. Und das auch noch ohne Maut. Doch nun gibt es Stimmen, die nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 130 oder 120 Stundenkilometern schreien. Um die Anzahl der Opfer bei schweren Unfällen zu minimieren. Und um den Ausstoß von CO² und Co zu senken. Wir beschauen uns einmal beide Seiten und wägen das Für und Wider einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen ab. 

Mögliche positive Auswirkungen eines Tempolimits

Eine deutliche Senkung der Emissionen, dadurch mehr Umwelt- und Klimaschutz sowie gleichzeitig sinkende Unfallraten mit Schwerverletzten und Toten sowie stressfreieres Reisen: Das sind die Hauptargumente von Fans für ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Unstrittig dürfte hierbei die Frage nach der Emission sein. Selbst dem größten Skeptiker dürfte allein auf Grundlage des Verbrauches einleuchten, dass ein Fahrzeug bei 120 km/h weniger ausstößt, als bei Tempo 200. Strittig ist jedoch, wie hoch genau die Einsparung sein könnte und ob dies wirklich Auswirkungen auf unsere Klimaziele hätte. Der ADAC kommt zum Beispiel zu der Einschätzung, dass Tempo 120 lediglich 3% der Emissionen einsparen würde. Doch auch das ist ein erstrebenswertes Ziel, oder? 

Die Meinungen gehen auch bei den Unfallzahlen auseinander, bzw. es kommt darauf an, wie man die Statistik liest. Regelmäßig zählt Deutschland zu den sichersten Ländern im europäischen Vergleich, wenn es um die Gesamtzahl von Unfallopfern im Straßenverkehr geht. Beschaut man sich jedoch nur die Autobahnen und zieht unsere Nachbarn Österreich, Schweiz oder Dänemark hinzu, wo Tempolimits gelten, so schaut es schon schlechter aus. Die Zahl der Unfallopfer auf Autobahnen ließe sich mit einem angepassten Tempolimit also eventuell tatsächlich senken. 

Das spricht gegen ein Tempolimit

Die deutsche Autoindustrie zieht einen großen Teil ihres guten Rufes aus der Tatsache, dass die Fahrzeuge für höchste Sicherheit auch bei hohen Geschwindigkeiten konzipiert wurden und man dies in Deutschland auch tatsächlich „live“ testen kann. Autofans auf der ganzen Welt sehen dies als Gütesiegel bei Mercedes, Porsche und Co an. Auch ansonsten werden immer wieder wirtschaftliche Auswirkungen als möglicher Hinderungsgrund für ein Tempolimit angeführt sowie die schwierige Beweislast hinsichtlich Emissionen und Unfallzahlen, man benötige ein Tempolimit schlichtweg nicht, so heißt es. 

So sieht es wirklich aus

In Deutschland gibt es derzeit etwas über 13.000 Kilometer Autobahn, jeden Tag kommen ein paar Meter hinzu.  Auf über 40% hiervon gibt es bereits klare Geschwindigkeitsbegrenzungen durch Lärmschutz, bei Nässe oder schlicht durch erhöhte Gefahren. Weitere 5-10% befinden sich stetig im Bauzustand, was das Tempo meist auf 80 oder gar 60 km/h drosselt. Wenn man dann noch bedenkt, dass Deutschland allein über 200.000 Kilometer Bundes-, Land- und Kreisstraßen außerhalb von Ortschaften hat, dann wird einem klar, dass man derzeit auf die Absolutzahl der Gesamtstraßenkilometer gesehen über einen verschwindend geringen Anteil redet, der von einem möglichen Tempolimit betroffen wäre. Es ist also mal wieder viel Lärm um Wenig und die Autofahrer sollten sich erstmal zurücklehnen und die Freiheit des Tempos genießen. Wer weiß, wie lange noch.